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 Betreff des Beitrags: Ferdinand Maximilian (1832-1867)
BeitragVerfasst: Mo 28 Sep, 2009 20:00 
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Mitte des 19. Jahrhunderts - also zur Zeit 'unserer' Sissi-Filme - war die Familie Habsburg-Lothringen auf ein beachtliches Maß angewachsen. Nicht zuletzt bedingt durch die diversen Nebenlinien schätze ich die Zahl der Erzherzoginnen und Erzherzoge zu dieser Zeit auf etwa 200. Über einige von ihnen ist die Literatur dünn gesät - sei es, daß sie weit weg von einer Thronfolge waren, oder aber sie (insbesondere einige Erzherzoginnen) in entfernte Höfe heirateten - oder aber es ist in der Nachwelt einfach wenig über sie erhalten geblieben.

Da gibt es sicher noch genug Forschungsansätze für künftige Historikergenerationen. Als Beispiel sei Maria Theresia Isabella (1816-1867) genannt, die Königin von Neapel und Sizilien. Eine Reihe dieser weniger bekannten Akteure haben wir innerhalb dieser Rubrik bereits behandelt, und vor allem im Rahmen der Stammbäume schon vieles über sie gesagt, was wir aus der Literatur oder Online-Quellen über sie in Erfahrung bringen können.

Naturgemäß ist die Zahl der Quellen über Mitglieder der 'ersten Reihe' der Habsburger weitaus zahlreicher, so daß ich es für sinnvoll halte, für diese im Lauf der Zeit eigene Threads einzurichten. Über Kaiserin Elisabeth wurde bereits so viel geschrieben, daß sich die Zahl der Diskussionen kaum in einem einzelnen Thread unterbringen läßt. Zu ihr gibt es also eine Vielzahl von separaten Themen, woran ich deshalb auch nichts verbessern möchte.

Beiträge zu anderen Familienmitgliedern (z.B. Karl Ludwig, Ludwig Viktor) sollten wir jedoch sinnvollerweise zu einem Thread zusammenfassen. Da ich mich aktuell ohnehin mit ihm beschäftige, möchte ich diesen Gedanken aufgreifen und Ferdinand Maximilian, dem ältesten Bruder Franz Josephs und Kaiser von Mexiko, einen Bereich innerhalb der Rubrik "Geschichte" widmen. Im dritten Teil der "Sissi"-Trilogie erscheint er für wenige Minuten.

Maximilian stand ja zeitlebens ein wenig im Schatten Franz Josephs und hat diesen sicher auch um seiner Stellung beneidet. Dies wird z.B. aus zahlreichen Mitteilungen an seinen kaiserlichen Bruder deutlich, in denen er um eine Rangerhöhung für sich selbst bittet. Eins dieser Zitate hat ja die Autorin GPB zum Titel eines ihrer Bücher gemacht. ;)

Einerseits soll er Zeremonien gegenüber ja nicht abgeneigt gewesen sein, denn noch auf der Überfahrt nach Mexiko begann er mit dem Entwurf eines Hofzeremoniells für sein neues Kaiserreich. Doch wenn die Öffentlichkeit andererseits zu sehr Notiz von ihm nahm, war es ihm wohl wieder eher unangenehm. Zu seinen Lebzeiten galt "Maxi" für die Damen seiner Umgebung im Vewrgleich mit FJ als der unterhaltsamere Erzähler. Trotz seiner Redegewandtheit fühlte er sich scheinbar in Gesellschaft auf Dauer auch nicht so recht wohl.

Als unmittelbar Nachgeborener stand Ferdinand Max ja bis zur Geburt Rudolfs an zweiter Stelle der Thronfolge. Es darf darüber spekuliert werden, ob sich Maximilian zu einer bestimmten Zeit wohl Gedanken darüber gemacht hat, vielleicht selbst auf den Thron nachzurücken. Immerhin waren ernsthafte Krankheiten um 1860 immer noch bedrohlich, und die Welt noch voll von kriegerischen Auseinandersetzungen.

Zeitlebens einer Faszination für Spanien erlegen, wünschte er sich bestimmt, daß seine Familie wieder eine tragende Rolle auf der iberischen Halbinsel spielen sollte. Sich selbst sah er idealerweise als einen neuzeitlichen Karl V. an. Vielleicht sollte ja Mexiko sogar der Ausgangspunkt für ein neues habsburgisches Weltreich bilden - in dem die Sonne nicht untergehen würde. ;)

Wie man sieht, hat die Persönlichkeit Maximilians viel Erstaunliches und auch Widersprüchliches zu bieten. Was haltet Ihr denn so von ihm?

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Rote Husaren die reiten, die reiten niemals, niemals Schritt. Herzliebes Mädchen, Du kannst nicht mit. (Hermann Löns)
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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Di 29 Sep, 2009 10:47 

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Das Zitat welches du meinst "Ich bin bloss Corvetten Capitän" ist ein wenig ironisch gemeint. ;) Immerhin ist der Korvetten Kapitän der zweithöchste Rang nach dem Admiral - das hab' ich recherchiert.

Bezüglich des Privatlebens zu Maxi ;) fällt mir noch einiges ein, dass bislang eher unerwähnt geblieben ist. Maximilian ist anfangs mit seiner Nichte 2. Grades Amelie von Portugal (1831-1853) - Tochter von Maximilians Tante Amalie von Bayern-Portugal und Peter von Portugal - verlobt gewesen. Leider hat Amelie diese Liebe nur kurz erlebt und ist 1853 knapp 21jährig einem Lungenleiden erlegen. Amelie ist die einzige Tochter aus der 2. Ehe von Peter von Portugal.

Zu den Kindern aus Peters 1. Ehe darunter u.a. Maria da Gloria (1819-1853) und Peter II. (1825-1891) scheint Maximilian keinen persönlichen und oder brieflichen Kontakt gehabt zu haben. Peter II. hat zwar später Europa besucht, doch da ist Maximilian schon längst tot gewesen - 1871.

Die Ehe zwischen Maximilian und Charlotte von Belgien (1840-1927) soll nicht besonders glücklich gewesen sein. Vermutlich aufgrund der Kinderlosigkeit - die für jedes Paar damals, egal ob Herrscher oder nicht - eine Belastung ist. Charlotte soll angeblich einen außerehelichen Sohn gehabt haben, jedoch verweise ich diese Theorie mangels Beweise eher in das Reich der Legenden.

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Zitate von Kaiser Franz Joseph: "Mir bleibt doch nichts erspart." - "Sie wissen nicht, wie sehr ich diese Frau geliebt habe."


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 Betreff des Beitrags: Re: Ferdinand Maximilian (1832-1867)
BeitragVerfasst: Do 11 Feb, 2016 19:29 

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http://www.reise-nach-italien.de/schloss-miramare.html

Ein schöner Bericht mit div. Bildmaterial über Schloss Miramar


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 Betreff des Beitrags: Re: Ferdinand Maximilian (1832-1867)
BeitragVerfasst: So 21 Feb, 2016 16:33 

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Heimkehr der Leiche Kaiser Maximilians im Hafen von Triest 1868
Gemälde von Anton Perko


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 Betreff des Beitrags: Re: Ferdinand Maximilian (1832-1867)
BeitragVerfasst: Mi 25 Mai, 2016 23:00 
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Ich frage mich immer wieder, welche Motivation er hatte, sich auf das Mexiko-Projekt einzulassen. Sicher, es war ihm weder in Österreich/Ungarn noch in Italien möglich, ein Herrscher zu werden. Im Grunde bestand um 1860 nur die Alternative, ewiger Nachgeborener zu bleiben, oder die riskante Option zu wählen, und nach Übersee zu gehen. Nach dem Auffliegen von Maximilians Kontakten zu italienischen Separatisten war er von Franz Joseph aus seinen Ämtern entfernt worden, und faktisch arbeitslos.

Frankreich war über die Jahrhunderte stets ein unsicherer Bundesgenosse, und stand aus Sicht der Habsburger meist auf der gegnerischen Seite. Zudem hatte Napoleón III. Franz Joseph erst 1859 eine empfindliche Niederlage zugefügt. Warum sollte man so jemandem Vertrauen entgegenbringen?

Im Jahr 1864 waren Maximilian und Charlotte rund 7 Jahre verheiratet, und es muß den Beteiligten gedämmert haben, dass es aus dieser Verbindung keine Nachkommen geben würde. In Mexiko soll der unmittelbare Durchgang zwischen den Gemächern der beiden schliesslich verschlossen worden sein. Ergo: Eine Dynastie hätte Maximilian in Mexiko kaum etablieren können - es sei denn, durch ein Kind mit einer Einheimischen, welches nachträglich legalisiert worden wäre.

Dies waren die Unbekannten, die Maximilian in seine Betrachtung einbezogen haben dürfte. Von der amerikanischen Monroe-Doktrin (1823) wird er mit Sicherheit keine Kenntnis gehabt haben - und diese war ein Schlüsselfaktor für seinen Untergang. Demzufolge sollte kein europäischer Staat Lateinamerika re-kolonisieren - anderenfalls würde es zum Eingreifen der USA kommen. Diesen Fall sahen die Amerikaner beim Mexiko-Projekt mit Sicherheit als eingetreten an, vor allem unter Beteiligung Frankreichs - eine entsprechende Note an Napoléon III. dürfte die Folge gewesen sein. Großbritannien und Spanien waren bereits in einem frühen Stadium der Intervention in Mexiko ausgeschieden.

Für Maximilian zweifellos ein schwerer Schlag, denn er war innerlich ein Bewunderer der USA - in einer vorangehenden Ausstellung im HMD war ein Buch mit gesammelten Unterschriften der US-Präsidenten ausgestellt. Letztlich wurde er m.E. von den Ereignissen seiner Zeit überrollt (Einigung in Italien, Bürgerkrieg in Mexiko) - den Traum vom Herrschertum nach der Art Kaiser Karls V. bezahlte er mit seinem Leben. Dieser ältere Artikel zum Thema besitzt nach wie vor Gültigkeit und ist sehr lesenswert.

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Zdeněk Burian: Einband zu "Der sterbende Kaiser", Karl May Gesamtwerk, Bd. 55.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ferdinand Maximilian (1832-1867)
BeitragVerfasst: Mi 11 Jan, 2017 8:45 
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Ein mir bislang unbekannte Foto der Leiche von Ferdinand Max:
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 Betreff des Beitrags: Re: Ferdinand Maximilian (1832-1867)
BeitragVerfasst: Do 12 Jan, 2017 13:02 
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War das nicht auch im hofmobiliendepot bei der Ausstellung damals? Sowas schwebt mir vor ... da gab es naemlich auch so ein furchtbares Foto

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Es geht nicht darum, wie tief du fällst, es geht darum, wie schnell du wieder aufstehst.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ferdinand Maximilian (1832-1867)
BeitragVerfasst: Fr 13 Jan, 2017 23:14 
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Guten Abend, kann mich leider nur an dieses Bild erinnern. Ist auch schaurig genug. :oops:

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 Betreff des Beitrags: Re: Ferdinand Maximilian (1832-1867)
BeitragVerfasst: Sa 14 Jan, 2017 6:50 

Registriert: So 26 Okt, 2014 13:31
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Totenmaske Kaiser Maximilian von Mexiko
Ausstellung Burg Hardegg NÖ


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 Betreff des Beitrags: Re: Ferdinand Maximilian (1832-1867)
BeitragVerfasst: Do 06 Jul, 2017 20:10 
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Heute vor 185 Jahren wurde Erzherzog Ferdinand Maximilian von Habsburg-Lothringen geboren. Im Schatten Franz Josephs stehend, war er zeitlebens ambitioniert, selbst ein Herrscher zu werden. Von Italien über Griechenland verlagerten sich die Pläne schließlich nach Mexiko.


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