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BeitragVerfasst: Fr 09 Jun, 2006 9:57 

Registriert: Mi 28 Dez, 2005 23:06
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@gast
danke für die antwort - ist sehr interessant.


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BeitragVerfasst: Sa 10 Jun, 2006 21:21 
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Beiträge: 33
Wohnort: Regensburg
gerne geschehen! habe mich hier nun angemeldet als "ratisbona"

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"wie soll ich das dem Grafen sagen, Kaiserliche Hoheit?" "Deutsch oder ungarisch - das ist mir egal"


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BeitragVerfasst: Do 15 Jun, 2006 15:48 

Registriert: So 14 Mai, 2006 11:06
Beiträge: 256
Wohnort: Nürnberg
Habe mal gelesen, dass die Ungarnszenen gar nicht in Ungarn gedreht wurden, da das damals politisch unmöglich war. Weiß jemand ob das stimmt? Für Auskunft danke.

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"Unsere Träume sind immer schöner wenn wir sie nicht verwirklichen."
Kaiserin Elisabeth
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BeitragVerfasst: Do 15 Jun, 2006 16:47 

Registriert: Di 07 Feb, 2006 13:12
Beiträge: 657
Wohnort: Wellen b. Magdeburg
Nunja, das ist sehr wahrscheinlich, da ein film(noch dazu ein "westlicher"), der dem thema "monarchie" und ´"neoabsolutismus" positiv gegenüberstand, im sozialistischen Ungarn nicht auf allzuviel gegenliebe gestoßen ist, ist denke ich nicht weiter verwunderlich.Noch dazu, weil Ungarn ja bis 1918 unter Österreichichscher Herrschaft stand und demzufolge "persönlich!" (oder besser: national betroffen war.

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Skandal: Forscher decken auf: Hitler war Antisemit!


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BeitragVerfasst: Do 15 Jun, 2006 18:51 
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Registriert: Fr 06 Jan, 2006 21:29
Beiträge: 3395
Wohnort: Köln
@Ella:
Zitat:
Habe mal gelesen, dass die Ungarnszenen gar nicht in Ungarn gedreht wurden, da das damals politisch unmöglich war. Weiß jemand ob das stimmt? Für Auskunft danke.


Das ist richtig. In den 50er Jahren war Ungarn sowjetisch besetzt, gleichzeitig wurden in
Osteuropa nach dem Tod Stalins (1953) Forderungen nach einer gemässigteren Form des
Kommunismus laut. In Ungarn kam im gleichen Jahr Imre Nágy an die Macht, der diesen
Forderungen Rechenschaft tragen wollte - der sogenannte "Neue Kurs". Er kann sich gegen
die noch starken stalinistischen Kräfte in der KPU jedoch nicht durchsetzen und wird durch
Mátyas Rákosi ersetzt. Die Unzufriedenheit wächst jedoch weiter und so tritt Rákosi
die Macht 1956 an Ernö Gerö (zuvor Verkehrsminister) ab.

Im Oktober 1956 demonstrieren daraufhin Studenten in Budapest für den sowjetischen Abzug,
Abschaffung der Geheimpolizei, Einrichtung der Pressefreiheit sowie freie Wahlen. Es wird unter
Imre Nágy eine Gegenregierung mit einem Mehrparteienkabinett eingerichtet und der Austritt
aus dem Warschauer Pakt angekündigt! Diese Vorgänge erschüttern die kommunistische Welt in
ihrem Fundament. Das Regime ruft daraufhin die Sowjetunion um Hilfe, die den Aufstand mit starken Panzerverbänden niederschlägt. Abgesehen von der Verurteilung der UdSSR in der UNO, und Anerkennung der Regierung Nágy, unternimmt die westliche Welt überhaupt nichts - 200.000
Menschen fliehen aus dem Land.

Imre Nágy wird als Verräter durch die Sowjets verhaftet und schliesslich hingerichtet (16.06.1958). Die UdSSR setzt daraufhin den zuvor als Innenminister tätigen (und treuen Stalinisten) Janós Kádár als KP-Vorsitzenden ein. 1957 kommt es zu einer Vielzahl von Sondergerichten aufgrund neuer Streiks und Unruhen. Todesstrafen, Terror im Inneren, Deportationen in die UdSSR folgen. Seit Ende der 50er Jahre allerdings stellt Kádár langsam die Weichen für eine gemässigtere Variante des Kommunismus. Er wird noch bis 1988 die Macht behalten!

Diese Vorgänge vereiteln mögliche Dreharbeiten der Sissi-Filme in Ungarn.
So weicht die Filmmannschaft z.B. für die Szenen der Kutschfahrt durch die Puszta in
die Gegend des Neusiedler Sees aus, die Szenen in Gödöllö entstehen in Wien (siehe
vorangegangenes Posting von Kameliendame).

@Prinzessin Evey:
Zitat:
Nunja, das ist sehr wahrscheinlich, da ein film(noch dazu ein "westlicher"), der dem thema "monarchie" und ´"neoabsolutismus" positiv gegenüberstand, im sozialistischen Ungarn nicht auf allzuviel gegenliebe gestoßen ist, ist denke ich nicht weiter verwunderlich.Noch dazu, weil Ungarn ja bis 1918 unter Österreichichscher Herrschaft stand und demzufolge "persönlich!" (oder besser: national betroffen war.

Also ich war 1987 anlässlich einer Klassenfahrt zum ersten Mal in Ungarn. Während dieser Reise
besuchten wir auch das Féstetics-Kástely am Westufer des Balaton. Ich erinnere mich, dass es sich damals bereits in recht guten Zustand befand und historisch belassen worden war. Es gab anders
als in Gödöllö (sowjetisches Hospital) definitiv keine Zweckentfremdung! Die Fremdenführerin
äusserte damals, nachdem wir Besucher uns recht überrascht gezeigt hatten, das alles sei Teil
des ungarischen Kulturerbes und somit schützenswert.

Übrigens ist es keineswegs so, dass Ungarn noch bis 1918 österreichisch "beherrscht" wurde.
1867 wurde ein System von zwei de facto gleichberechtigten Ländern geschaffen, mit gemeinsam
koordinierter (k.u.k.) Verteidigungs- (Österreich: k.k. Landwehr, Ungarn: k. Hónved) und Finanz-politik, jedoch getrennter Verfassung, Gesetzgebung und Administration. So traten Österreich und Ungarn bspw. im Ausland mit getrennten Handelskammern auf. Über jeweils 10 Jahre erfolgten Vereinbarungen (Ausgleiche) über Handels-, Steuer-, Währungs- und Verkehrsfragen. Man sprach
zu dieser Zeit bei den beiden Landesteilen auch von Cisleithanien (das sind Österreich und die angeschlossenen 15 Kronländer) und von Transleithanien (Ungarn), benannt nach der Leitha,
dem damaligen Grenzfluss zwischen Österreich und Ungarn.

Viele Grüsse, Vindobona.

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Rote Husaren die reiten, die reiten niemals, niemals Schritt. Herzliebes Mädchen, Du kannst nicht mit. (Hermann Löns)
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BeitragVerfasst: Do 15 Jun, 2006 20:05 

Registriert: Di 07 Feb, 2006 13:12
Beiträge: 657
Wohnort: Wellen b. Magdeburg
@vindobona: Es ist sicher richig, dass die Legitimation der ungarischen Nation mit der zunehmenden Gleichberechtigung mit Österreich gleichzusetzen ist. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch die österreichische Monarchie (und bauten die im zusammenhang mit eben dieser stehen) teil des Mythos der der ungarischen Nationsbildung ist und somit (sicher auch zu Zeiten des Sozialismus) bewahrt werden.
Aber das Jahr 1987 ist in keinster Weise mit 1956 vergleichbar, die Atmosphäre eine gänzlich andere. das sozialistische Regime´ist erst vor kurzem an die macht gekommen und muss, um diese zu festigen. Hinzukommt, dass der Sozialismus theoretisch nur zwischen zwei Systemen unterscheidet, dem Sozialismus, indem das Volk frei ist und das System (bevorzugt Feudalismus, Faschismus oder Kapitalismus genannt), indem es unterdrückt ist.
Man muss sich nicht erst fragen, in welches System die Donaumonarchie (nicht ganz unberechtigt) gesteckt wurde.
In dieser Lage ist es logisch, dass , egal wie die Realität ausgesehen hat, die Unterstützung der Sissi Filme, die dieses System ganz klar verherrlichen oder das Bewahren gewisser "Andenken" an die Monarchie politisch nmicht möglich waren.
Ganz anders stellt sich die Situation 1987 dar, der Sozialismus befindet sich in der Auflösung. Ungarn kommt hier eine Vorreiterrolle zu. Der Sozialismus befindet sich in der Auflösung, vetrliert an Macht Substanz und Ansehen in den eigenen Reihen. Es ist verständlich, dass sich die Menschen in dieser Zeit auf die Wurzeln der ungarischen Nation (die zum großen Teil natürlich im Vielvölkerstatt Österreich - Ungarn) zurückbesinnen, die Bedeutung der österreichisch- unagrischen Gleichberechtigung zurückbesinnen und in diesem Atemzug auch symbole dieser Zeit (beispielsweise das Festtetics-Kastely) wieder zu plegen beginnen.

viele Grüße,
Princesse

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BeitragVerfasst: Do 15 Jun, 2006 21:43 

Registriert: Mi 28 Dez, 2005 23:06
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Die Ungarn-Szenen wurden rund um den Neusiedlersee (im schönen Burgenland) gedreht. Die Kutschenfahrt durch das Dorf, wo die Menschen am Straßenrand stehen und jubeln wurde in Rust gedreht. Der Platz mit der Kirche, wo dann Sissi und Franzl ihre Versprechen ans ungarische Volk machen, ist der burgenländische Wallfahrtsort Frauenkirchen.
Und Schloss Gödöllö, aus dem 3. Teil, ist Schloss Hetzendorf in Wien - liegt gleich hinter dem Schönbrunner Schlosspark und ist heute eine Schule für Mode- und Bekleidungstechnik.


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BeitragVerfasst: Do 15 Jun, 2006 23:41 
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Registriert: Fr 06 Jan, 2006 21:29
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Wohnort: Köln
@Princesse:
Zitat:
Aber das Jahr 1987 ist in keinster Weise mit 1956 vergleichbar, die Atmosphäre eine gänzlich andere.

Nun, an eine Bewertung der Atmosphäre des Jahres 1956 würde ich mich nicht wagen, da
mir dazu das eigene Erlebnis der Vorgänge fehlt. :D Aber bis 1987 vergehen auch weitere
30 Jahre, so dass von einer Entspannung sicherlich gesprochen werden kann, zumal Kádár
recht schnell zu einem "gemässigt-totalitären Regime" (Peter Ésterhazy) wechselt. Auf dem
Land wurden private Immobilien i.d.R. nicht verstaatlicht (anders als in den Städten), deshalb
wurden diese auch recht gut über die Jahrzehnte gepflegt.

Zitat:
Es ist sicher richig, dass die Legitimation der ungarischen Nation mit der zunehmenden Gleichberechtigung mit Österreich gleichzusetzen ist. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch die österreichische Monarchie (und bauten die im zusammenhang mit eben dieser stehen) teil des Mythos der der ungarischen Nationsbildung ist und somit (sicher auch zu Zeiten des Sozialismus) bewahrt werden.

Für die Ungarn zählte auch zur Zeit der k.u.k. Monarchie in allererster Linie die eigene Nation. Dieses Bewusstsein hatte sich in der langen Zeit der türkischen Besetzung herangebildet und
wurde über die Generationen gepflegt. Das Selbstbewusstsein der Ungarn war gestiegen, seit
sich Maria Theresia im September 1741 in der Not an das ungarische Volk wandte, da sie
von Karl-Albrecht v. Bayern, Friedrich II. v. Preussen sowie August III. v. Sachsen gleichzeitig
bedroht war.

Bekanntlich folgten die ungarischen Stände diesem Aufruf. Die Szene, bei der der versammelte ungarische Adel mit gezogenem Schwert aufspringt, und ihr entgegenruft "Für unsere Königin geben wir unser Blut!", ist allerdings wohl mehr der Legendenbildung zuzuschreiben. Kurz gesagt, die Ungarn sahen sich immer in einer besonderen Stellung innerhalb des (Habsburger-)Reiches, mit einem hohen Streben nach Autonomie. Auch zu Zeiten des Sozialismus war dieses Erbe der ungarischen Nation nie ganz vergessen worden.

Hinzu kam, dass die Stellung des Regimes etwa mit der Bedeutung der DDR, CSSR oder natürlich der UdSSR nicht verglichen werden kann. In diesen drei Staaten wurde die Umsetzung der kommunistischen Ideen weitaus konsequenter verfolgt, so wie in Deinem Beitrag sehr richtig dargestellt. Hierzu Zitat Ulbricht: "Der Mensch in der DDR lebt frei, nicht wie in der BRD unter
dem Druck der NATO". :wink:

In Ungarn hatte man sich nach 1956 im Vergleich dazu in einer sozialistischen "Insel" eingerichtet, und die eigenen Interessen verfolgt, soweit der Handlungsspielraum es gestattete. Anders als in
der DDR (z.B. Sprengung Berliner Stadtschloss 1950) wurde deshalb in Ungarn keine mutwillige Zerstörung historischer Gebäude betrieben. Auch das Festetics-Schloss hat aus diesem Grund nicht erst in den 1980er Jahren eine Renovierung erfahren, sondern wurde schon vorher soweit
gepflegt, dass es nicht vom Verfall bedroht war. 8)

Was die Filmarbeiten zur "Sissi"-Trilogie betrifft, hätte es eine offene Beteiligung sicher nicht gegeben - also keine ungarischen Schauspieler, Drehbuchautoren, Regisseure etc. Dazu war die Zeit vor Mitte der 70er noch nicht reif. Eine Zurverfügungstellung gewünschter Areale wäre
wahrscheinlich aber möglich gewesen, zumal so etwas die begehrten Devisen eingebracht hätte.
Später entstanden allerdings auch mit ungarischer Beteiligung Filmproduktionen (z.B. "Michael Strogoff" 1975, "Oberst Redl" 1980), die "heikle" historische Motive aufgreifen, und bei denen
sogar mit westlichen Produzenten gearbeitet wurde.

@Kameliendame: Vielen Dank für die Info - ist sehr interessant!

Viele Grüsse, Vindobona.

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BeitragVerfasst: Fr 16 Jun, 2006 16:00 

Registriert: So 14 Mai, 2006 11:06
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Danke für eure Infos. Wahnsinn wie viel ihr auch über politische Hintergründe etc. wisst. :D

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Kaiserin Elisabeth
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BeitragVerfasst: Fr 16 Jun, 2006 16:25 
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Registriert: Mo 09 Jan, 2006 14:39
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naja nicht jeder weiß hier so viel.... :roll: :roll:
byee scaaaarrlettt

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i love iit <3 =)


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