Romy Schneider als Sissi

Als Tochter des Schauspielerpaares Magda Schneider und Wolf Albach-Retty wurde Romy Schneider (eigentlich Rosemarie Magdalena Albach) am 23.09.1938 in Wien geboren. Nach einer unbeschwerten Kindheit in Berchtesgaden besuchte sie vier Jahre lang das von Augustinernonnen geleitete Mädcheninternat „Goldenstein” bei Salzburg.

Mit dem „kleinen Abitur” in der Tasche feierte die fünfzehnjährige Romy Schneider 1953 ihr Filmdebüt in „Wenn der weiße Flieder wieder blüht” an der Seite ihrer berühmten Mutter Magda. Ein Jahr später spielte sie - unter der Regie Ernst Marischkas - ihre erste Hauptrolle als „Viktoria” in der Liebesgeschichte „Mädchenjahre einer Königin”. 1955 wurde Romy Schneider als Kaiserin „Sissi” neben Karlheinz Böhm über Nacht zum weltweit gefeierten Filmstar. Dennoch drehte sie die zwei „Sissi”-Fortsetzungen (1956-1957) nur widerwillig. Der jungen Schauspielerin widerstrebte das Image des liebreizenden „Mädels”, die unermessliche Publikumsliebe wurde zur Bedrohung und die Rolle der „Sissi” zu Romys Zwangskorsett, das sie ein Leben lang abzulegen versuchte. Zwanzigjährig setzte sie sich erstmals gegen das Produzententeam und ihren „Finanzverwalter” Stiefvater Blatzheim durch: Statt eines vierten „Sissi”-Films drehte sie 1958 den Skandalfilm „Mädchen in Uniform” und brillierte neben Lilli Palmer in ihrer ersten Charakterrolle.

Im gleichen Jahr kam es zur großen Wende in Romy Schneiders Leben: Bei Dreharbeiten zu der französischen Koproduktion „Christine” verliebte sie sich in ihren Filmpartner Alain Delon, verlobte sich und folgte ihrer großen Liebe nach Paris. Fernab heimatlicher Rollenklischées und familiärer Zwänge wurde Romy Schneider unter der Regie Luchino Viscontis in Paris zum gefeierten Bühnenstar. 1961 gelang ihr mit „Boccaccio 70” auch auf der Leinwand endlich der Durchbruch zur international anerkannten Schauspielerin. Für die Rolle der „Leni” in Kafkas „Prozess” (1962) wurde sie vom französischen Publikum als „beste ausländische Darstellerin” geehrt. Nur die deutsche Fernsehnation und die Boulevardpresse zerrissen sie in der Luft: Die Abkehr von Deutschland und den Wandel ihrer unschuldigen „Sissi” zur modernen, erwachsenen Frau konnte und wollte man ihr zeitlebens nicht verzeihen. Eine lebenslange Fehde zwischen Romy Schneider und der deutschen Presse begann.

1963 nach der Trennung von Alain Delon und nur mäßig erfolgreichen Filmproduktionen in England und den USA wurde es ruhiger um Romy Schneider. Sie heiratete den Theaterregisseur Harry Meyen, bekam Sohn David (*1966) und zog sich mit ihrer kleinen Familie nach Berlin zurück. Mit dem Erotikdrama „Der Swimmingpool” gelang ihr 1968 in Frankreich - an der Seite Alain Delons - ein fulminantes Comeback. Bis 1975 drehte die ehrgeizige Schauspielerin unermüdlich und wurde mit Filmen wie „Die Dinge des Lebens” (1969) und „Cesar und Rosalie” (1972) zur Symbolfigur des französischen Films. Für „Nachtblende” (1974) und „Eine einfache Geschichte” (1978) erhielt sie den renommierten französischen Filmpreis &vdquo;César”, für die Böll- Verfilmung „Gruppenbild mit Dame” (1977) das „Bundesfilmband in Gold”.

Im Gegensatz zu ihrem beruflichem Erfolg war Romy Schneiders Privatleben von Tragik überschattet: Nach der gescheiterten Ehe mit Harry Meyen, heiratete sie ihren Privatsekretär Daniel Biasini und bekam Tochter Sarah Magdalena (*1977). 1981 wurde auch diese Ehe geschieden, kurz darauf musste sie sich einer schweren Nierenoperation unterziehen. Als am 5. Juli 1981 ihr 14-Jähriger Sohn David tödlich verunglückte, war ihr Lebenswille gebrochen. Sie betäubte sich mit Schlaf- und Aufputschmitteln und trank Alkohol.

Am 29. Mai 1982 wurde Romy Schneider tot in ihrer Pariser Wohnung gefunden: Todesursache „natürliches Ableben durch Herzinfarkt” heißt es in der Sterbeurkunde. Auf dem nahe Paris gelegenen Friedhof „Boissy- sans-Avoir” fand die Jahrhundertschauspielerin ihre letzte Ruhestätte. Sie hinterließ ihre inzwischen 28-Jährige Tochter Sarah Biasini, die als Schauspielerin in Paris lebt.