Nach beruflichen Umwegen - über den Besuch des Priesterseminars bis hin zur kaufmännischen Lehre - absolvierte der am 21. April 1913 in Wien geborene Josef Meinrad eine Schauspielausbildung an der Wiener Neuen Galerie.1938 legte er die Reichstheaterkammerprüfung ab und erhielt erste Engagements beim Kabarett und an Wiener Kleinkunstbühnen.
Zwei Jahre später wurde er mit der Hauptrolle in Hermann Bahrs "Franzl" am Wiener Burgtheater über Nacht einem breiteren Publikum bekannt und gehörte ab1947 zum festen Ensemble der "Burg". Meinrad überzeugte vor allem als Grillparzer-, Raimund- und Nestroy- Darsteller und erwies sich in klassischen Rollen wie Molières "Der eingebildete Kranke" und Max Zweigs "Franziskus" als Meister der Interpretation. 1955 wurde er zum "Kammerschauspieler" ernannt, die ihm angebotene Leitung des Burgtheaters lehnte er aber ab. In mehr als 50 Kino- und Fernsehfilmen bewies der Vollblutschauspieler seine enorme Wandlungsfähigkeit und begeisterte das Nachkriegspublikum mit Filmen wie "Kaiserwalzer", "Nichts als Zufälle" und "Die Deutschmeister".
Große Popularität verschaffte ihm vor allem die "Sissi"- Trilogie (1955-1957), in der er als "Oberst Böckl" - "Sissis" glühendem Verehrer- ein Millionenpublikum verzauberte. In den 70er Jahren brillierte Josef Meinrad als "Pater Brown" in der gleichnamigen 38-teiligen Fernsehserie und eroberte als "Mr. Higgins" in "My Fair Lady" sogar die Musicalbühne.
Neben zahlreichen Auszeichnungen für sein künstlerisches Schaffen erbte Josef Meinrad 1959 von Werner Krauß den "Iffland-Ring", den jeweils der "größte Schauspieler deutscher Zunge" tragen sollte. Meinrad gab den Ring testamentarisch an den Schweizer Schauspieler Bruno Ganz weiter. Privat war der österreichische Schauspieler mit der Französin Germaine Renée glücklich verheiratet und widmete sich nach seinem Rückzug von Bühne und Film vornehmlich seinem Privatzoo und der Tischlerwerkstatt. Josef Meinrad starb 1996 im Alter von 82 Jahren nahe Salzburg.